Ein Symposium am Karlsruher Institut für Technologie widmet sich der Wiederverwendung von Holz: nicht der Verwertung, sondern dem erneuten Einsatz als tragender Baustoff. Die Leitfrage ist eine wirtschaftliche.

Die Meldung

Am 17. Juli 2026 findet am Karlsruher Institut für Technologie das Symposium „Weiterbauen mit Holz“ statt, ausgerichtet von den KIT-Professuren für kreislaufgerechten Holzbau, für Konstruieren und Entwerfen sowie für Holzbau und Baukonstruktion. Im Zentrum steht die Frage, welchen Wert gebrauchtes Holz besitzt und welche Schritte erforderlich sind, um es erneut als verlässlichen Baustoff einzusetzen. Schwerpunkte sind materialgerechte Holzernte, Bewertung und Aufbereitung, die erneute Verwendung im konstruktiven Kontext sowie europäische Perspektiven, eingebracht durch Beiträge aus Norwegen, der Schweiz und den Niederlanden.

Die Zahlen

  • Termin: 17. Juli 2026, Karlsruher Institut für Technologie
  • Veranstaltende Professuren: 3
  • Themenschwerpunkte: Ernte, Bewertung, Aufbereitung, konstruktive Wiederverwendung
  • Internationale Perspektiven: Norwegen, Schweiz, Niederlande
  • Anteil des Bauwesens am EU-Abfallaufkommen: über 35 %

Unser Kommentar

Der Unterschied zwischen Wiederverwendung und Verwertung ist der Kern des Themas und wird häufig verwischt. Wiederverwendung heißt: Ein Balken wird ausgebaut und als Balken wieder eingebaut. Verwertung heißt: Er wird geschreddert und zu Spanplatten verarbeitet oder verbrannt. Wirtschaftlich und ökologisch liegen zwischen beidem Welten: die erste Variante erhält die Wertschöpfung des ursprünglichen Bauteils, die zweite vernichtet sie zum größten Teil.

Was Wiederverwendung im konstruktiven Bereich blockiert, ist nicht Technik, sondern Nachweisbarkeit. Wer einen gebrauchten Balken tragend einbauen will, muss dessen Festigkeit kennen, und die ursprüngliche Sortierung gilt nach Jahrzehnten Nutzung nicht mehr ohne Prüfung. Es fehlen standardisierte Verfahren, um gebrauchtes Bauholz einzustufen, und es fehlt die Haftungsklarheit: Wer garantiert die Eigenschaften eines Bauteils, dessen Vorgeschichte niemand vollständig kennt? Genau dort liegt die Forschungsaufgabe, und genau deshalb ist ein Symposium mit europäischer Beteiligung sinnvoll: in mehreren Nachbarländern ist man bei Bauteilbörsen und Rückbaukonzepten weiter.

Für Bauherren, die heute planen, folgt daraus etwas Konkretes: Der Wert der Wiederverwendung entsteht am Anfang, nicht am Ende. Ein Gebäude, dessen Verbindungen lösbar sind und dessen Bauteile dokumentiert sind, ist in dreißig Jahren ein Materiallager. Ein verklebtes, verschraubtes und undokumentiertes Gebäude ist Abfall mit Entsorgungskosten. Diese Entscheidung kostet in der Planung fast nichts und entscheidet über den Restwert. Wer heute nach Kreislauffähigkeit gefragt wird, von Zertifizierern, Förderprogrammen oder Wettbewerben, die Rückbaubarkeit bewerten, sollte darauf eine Antwort auf Bauteilebene haben, nicht auf Materialebene.


Quellen: nbau: Weiterbauen mit Holz – Wertschöpfung durch Wiederverwendung

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