EZB hält still, die Inflation nicht: Zinsentscheid im März
Die EZB lässt die Zinsen im März unverändert, obwohl die Inflationsaussichten sich verschlechtert haben. Für Bauherren wird die Zinsruhe zur trügerischen Sicherheit.
Die EZB hat die Leitzinsen auch im März nicht angetastet, bei steigenden Inflationsrisiken. Die Ruhe an der Zinsfront ist damit keine Entspannung mehr, sondern eine Pause.
Die Meldung
Auf ihrer Sitzung am 19. März 2026 hat die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen: Einlagensatz 2,00 Prozent, Hauptrefinanzierungssatz 2,15 Prozent. Der Beschluss fällt in ein Umfeld, das sich gegenüber dem Jahresbeginn deutlich verändert hat. Der Konflikt im Nahen Osten seit Ende Februar hat die Energiepreise und damit die Inflationsaussichten im Euroraum nach oben verschoben, während die Konjunkturaussichten schwächer geworden sind, eine Konstellation, die Notenbanken in ein Dilemma bringt: Zinserhöhungen dämpfen die Inflation, verschärfen aber die Schwäche.
Die Zahlen
- Einlagensatz: 2,00 % (unverändert)
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 %
- Sitzungen ohne Änderung: sechs in Folge
- Nächster Zinsentscheid: 30. April 2026
- Neue Belastung: steigende Inflationsaussichten bei schwächerem Wachstum
Unser Kommentar
Für Bauherren ändert sich am Zins zunächst nichts, an der Erwartungslage sehr wohl. Wer noch im Januar davon ausgehen konnte, dass die nächste Zinsbewegung eher nach unten geht, muss diese Annahme streichen. Die Kapitalmarktzinsen, an denen Baufinanzierungen hängen, reagieren nicht auf den Leitzins, sondern auf Inflationserwartungen, und die haben sich innerhalb weniger Wochen verschoben. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ist das an den Renditen schon sichtbar, und Baufinanzierungszinsen folgen dieser Bewegung mit kurzem Abstand.
Für die Praxis: Wer ein Finanzierungsangebot mit akzeptabler Kondition auf dem Tisch hat, sollte die Bindungsfrist nutzen und nicht auf eine Verbesserung warten. Wer eine Forward-Finanzierung für ein Projekt in ein oder zwei Jahren erwägt, sollte den Aufschlag jetzt mit dem Risiko vergleichen, das sich gerade aufbaut: die Rechnung sieht anders aus als im Herbst.
Für kommunale Bauherren ist die Lage entspannter, aber nicht unberührt: Kommunalkredite werden teurer, wenn die Kapitalmarktzinsen steigen, und Förderdarlehen mit verbilligtem Zins gewinnen im Vergleich zusätzlich an Wert. Wer ein Vorhaben ohnehin geplant hat, hat gerade ein zusätzliches Argument, den Antrag nicht zu verschieben: die Förderkonditionen sind zum März spürbar besser geworden, das Marktzinsumfeld dürfte es nicht werden.
Quellen: EZB: Key ECB interest rates · LBBW: Leitzins, Prognosen und Termine 2026
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